• Herbert Marcuse ⋅ Der ein­di­men­sio­nale Mensch. Studien zur Ideologie der fort­ges­chrit­te­nen Industriegesellschaft 04 04 18

    Man ver­gleiche zum Beispiel das ver­liebte Treiben auf einer Wiese und in einem Auto, bei einem Spaziergang der sich Liebenden auße­rhalb der Stadtmauern oder auf einer Straße von Manhattan. In den erst­ge­nann­ten Fällen hat die Umgebung teil an der libi­dinö­sen Besetzung, kommt ihr ent­ge­gen und ten­diert dazu, ero­ti­siert zu wer­den. Die Libido geht über die unmit­tel­bar ero­ge­nen Zonen hinaus – ein Vorgang nich­tre­pres­si­ver Sublimierung. Demgegenüber scheint eine mecha­ni­sierte Umgebung ein solches Selbstüberschreiten der Libido zu unter­bin­den. Bedrängt in ihrem Bestreben, den Bereich ero­ti­schen Genusses zu erwei­tern, wird die Libido weni­ger »poly­morph«, weni­ger der Erotik jen­seits loka­li­sier­ter Sexualität fähig, und diese…

  • Herbert Marcuse ⋅ « Der Kampf gegen den Liberalismus in der tota­litä­ren Staatsauffassung » 24 12 16

    In die­sen Formulierungen kün­det sich eine cha­rak­te­ris­tische Tendenz des heroisch-völ­ki­schen Realismus an : die Depravierung der Geschichte zu einem nur zeit­li­chen Geschehen, in dem alle Gestaltungen der Zeit unter­wor­fen und deshalb »min­der­wer­tig« sind. Eine solche Entgeschichtlichung fin­det sich allen­thal­ben in der orga­ni­zis­ti­schen Theorie : als die Entwertung der Zeit gegenü­ber dem Räume, als die Erhöhung des Statischen über das Dynamische, des Konservativen über das Revolutionäre, als die Ablehnung aller Dialektik, als Preis der Tradition um der Tradition willen. Niemals ist die Geschichte weni­ger ernst genom­men wor­den als jetzt, wo sie primär auf die Erhaltung und Pflege des Erbes aus­ge­rich­tet wird, wo Revolutionen…